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Posts

Es werden Posts vom 2009 angezeigt.
der gemalte Himmel
hängt zwischen Besenstielen
Drei Könige Bäume und Sterne
sind die Kinder
die Kostüme
aus Gardinenstoff
und die Luft
über dem Krippenspiel
himmlische Seligkeit.

(Margitta Lambert)

Denkt euch

Denkt euch ich habe das Christkind gesehen
es saß auf einer kleinen grauen Mauer
vor einer Tankstelle
und frühstückte

einen Schokoriegel
und eine Dose Bier

Auf der einen Seite
hatte es rote Haare
und auf der anderen keine

Es roch nicht nach Äpfeln
und auch nicht nach Mandeln

aber als ich vorbeiging
sagte es Guten Morgen
ganz leise
und ganz freundlich

(Petra Franz)

einleuchtend

einleuchtend
dass das christkind
um des geheimnisses
der geschenke willen
unsichtbar blieb und
das verschlossene wohnzimmer
durchs schlüsselloch betrat.

doch wunderte uns
dass es ein- und ausflog
ohne jemals sich
den kopf zu stoßen
und sein engelskleid aus
wie wir heute wissen
chiffon und organza
sich niemals verhedderte
in den eisernen zacken des türschlosses.

(Michael Hillen)

Traumbilderwelten

an jenem gewöhnlichen montagabend
lud ich dich zu einem glas rotwein
in meine wohnung ein.

und während du auf meinem allerweltsofa
platz nahmst,
sprachst du unentwegt von diesem
anderen mädchen.

in dieser nacht schaute ich dir
in die träume.
schmetterlingsflügel zeichneten dich
in bunten farben,
gemeinsam verzehrten wir
das herz des himmels
und ich spürte so etwas wie glück.

unmöglich zu schlafen,
nur um von dir zu träumen.

(Molk Manuela)

Was ist Angst?

Angst ist wie der Wind und kommt aus dem Nichts. Kann etwas, was fest verankert ist, aus dem Boden gerissen werden? Der Wind hebt im Äußeren hoch, und die Angst zieht euch im Innern hinunter. Was nicht klar erkannt ist, verwischt die Angst und zieht dabei die Schleier noch tiefer über die Augen. Sie bewahrt nicht, im Gegenteil. Erst durch sie wird das Befürchtete manifestiert, z.B. durch Krankheiten, Unfälle. Sie behindert das Tun und das Erfüllen der Wünsche und ist Davor der Freude, wie auch die Versuchung das Dahinter eures Tun ist.



(aus: Susanna Dünne, Buch der vierten Dimension)
Schweigen vom schwarzen spritzer getroffen
bis zur seele im klaren kristallenen tag.
von den schattenbruchstücken gelegter klang
in die magnetnacht, die traumstriche

verglühter energien aus uns in ihr,
reifkalte kraftlinien des lichts,
gespreizt, tausendfingrig, in die luft,
die schwanger von den winden, von den jahren schwer

(augen in augen: hängende brücke der weite
zum weiß gespannt aus der gewichtigkeit
und vom übergehen hell)

wacht mit kühlem schoß ohne laute
zwischen uns, mit dem wegküssen der erde
immer näher, ausgewaschen in vollkommene materie.

(niko grafenauer)
Weg:gewendet, wimpern der helligkeit
losgelassen mit der schattenberührung in den abend.
angehäufter sehkreis der weichheit
und in der luft der sonnige helligkeitsmesser

der weiten. unwiederbringlich allein.
unter tausendlidrigen augenblicken in den tagesanbruch
des erinnerns mit dem gesicht vergraben
zwischen ruf und ruf. tag in das licht der tränen gedreht.

gegenwartsnähe, fallen der sterne
in vergangenes, heller schnitt
der uhrschläge, in die nacht versprengte

gewichtlose ausgeglichenheit:
alles
eins.

(niko grafenauer)

rat an einfallslose autoren

geht
auf den gedanken
strich

marc hermann

favoritensterben

aus dem pärchen ist ein paar geworden,
die wöchentliche missionierung ein

ritual ohne tiefe/das restherz hat seine
interessen verlagert, denkt an dich und

küsst eine andere besser (zumindest die
gedanken sind frei), sucht im gras nach

der spieluhr und ihrer melodie/im
portemannaie ein foto der rechten hand;

der graben im bett sieht nur die bundesliga
und den sieg der gastmannschaft.

(Stefan Heuer)

sommer

der sommer war voll
von lauen nächten.
dem zirpen der vögel
und kühlem gras.

der sommer trug den
namen liebe.
er glänzte so golden
wie die sonnenstrahlen
im august.

wir küssten uns die
sonnencreme von der haut.
sie roch nach ewigkeit
und wärme.

so musste der
sommer sein.
wie ein wiegenlied
oder ein kinderlachen.
(Molk Manuela)

kontraste

zwischen überfluss und überdruss
pumpt die stadt hastende worttrabanten
durch ihre bleiernen adern
blankgeputzte neonröhren
leuchten ihnen den weg
während die ungezählten schlote
spalier stehen
und die zeit auch bei rot
beharrlich voranschreitet.

doch dann minzgrüne sandalen
kupferginster und sehr viel himmel
über mir
von den ästen blättert gold
lässt das eis antauen
bevor es gänzlich im farbengewitter
der veränderungen versickert .

als fände sich alles
in diesem einen
sonnendurchfluteten atemzug.
(Molk Manuela)

Deine Liebe

ist ein Probepäckchen
mit Ablaufdatum
und
deine Freundschaft
ein Sonderangebot
mit Aufbrauchfrist
doch dein schlechtes Gewissen
ist ein Ladenhüter
trotz Imagewerbung.
(Silvia Puder)

Ich möchte keine
Geschichte sein für dich
unendlich lang
mit vielen Kapiteln
dann schon lieber ein Augenblick
an den duch mit
zärtlichkeit erinnerst.
(Sabine K.)

die unumstößlichen wände

eurer wohnräume
die weißen kissen worin
eure köpfe stecken
hygienische steaks
zwischen den zähnen

unbeirrbar vorwärts
auf eurem weg
wie beschalte amöben
seit jahrmillionen
unverändert erfolgreich

und habt ihr gesetzestreu
unfallfrei und
hochmoralisch
eure zeit genossen
zeitgenossen
dann wird das ja gewiß
noch nicht alles
gewesen sein
(Helwig Brunner)