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Es werden Posts vom 2010 angezeigt.
Weilwortewichtigsind wünscht allen ein fulminantes Jahr 2011 - und mögen alle eure Wünsche in Erfüllung gehen....





Gefunden via We heart it
There is a pleasure in the pathless woods;
There is a rapture on the lonely shore;
There is society, where none intrudes,
by the deep sea, and music in its roar:
I love not man the less, but nature more....

(Lord Byron)
an den dächern
gestrandete wolken,

kleine laichende gebete
auf der durchreise.

wir schütteln sie aus,
hängen sie auf zeilen.

werfen angelhaken
in den himmel
warten

unter unserem
kleinsten gemeinsamen
kreuz.

(Kevin Lynn Humphrey)

Für Muna

Du wirst das Meer fragen, wohin es fließen wird
wirst dem Sonnen
strahl ein Kleid anziehen
den Wolken Pfefferminzgeschmack einstreichen
den Bäumen ihre Winde um die Ohren wehen
die Tage werden in den Rücken wachsen
und lieben wirst du
genau wie ich.

(Carmen Caputo)

Frohe Weihnachten

Weilwortewichtigsind wünscht allen ein friedliches und himmlisches Weihnachtsfest zusammen mit eurer Familie und Freunden.



Quelle: We heart it
an manchen tagen fressen die
kleinen fragen die großen fragen auf.
an den anderen tagen
verschlingen die großen fragen die kleinen.
doch hinterher stellt sich nicht selten heraus,
dass die kleinen große,
die großen kleine fragen waren.

(kurt marti)
Quelle: We heart it
In mir fällt der warme Regen
Vor mir das rote Blühen
Einer Kaktee

Lang
Hast du mich angesehen
Wie so häufig nach einem Sonntag

Warum ich nicht bei dir gewesen sei
Warum wir einander beigewohnt hätten

Ohne einander zu lieben

(Michael Wildenhain gefunden bei Fixpoetry)

zeitgenossen

nebeneinander leben wir
reisen ab und kommen an
drängen sich terminkalender
aneinander vorbei
mal dort dann wieder da
irgendwann anderswo
irgendwie und anderswie
rennt die zeit vorüber
jeden tag die zähne geputzt
einen happen konsumiert
wird der teller geleert sein
rastlos aufgefressen restlos

(Manfred Chobot gefunden bei fixpoetry)

familiensonntag

diakästen stauben im schrank wirf der projektor erinnerungen
an die wand: kindheit vor anbruch des farbfilms. schwarzweiß
flimmern kopien toter soldaten mit fliegermützen, orden blicken
sie vom bildrand. großvater verschwindet im eigenen gesicht
dreht runden ums licht. großvater bewacht ein museum
abgelegter haut. großmutter sortiert wäsche wie gedanken
die blitzen weiß auf gestärkt vor dem schrank geht großvater
spazieren in seinem kopf perlt sekt zu kaisers geburtstag ordnet
großvater orden vom ersten krieg. großmutter zupft daunen. hundert
gänse verschwinden in ihrem bett. es hat eine seltsame dichte
wo großmutter wohnt, darf niemand reden. großvater flüstert uns sätze
in seinem haus besiedeln wir zimmer. das haus wächst leer auf
mit gespenstern. von den wänden fällt schmerz in die hände. großvater
sitzt in den enkeln und spricht mit den bildern am projektor erblickt er
und verwirft er den nachwuchs.

(Hartwig Mauritz)
Love anything and your heart
will be wrung and possibly
broken. If you want to make
sure of keeping it intact you
must give it to no one, not
even an animal. Wrap it carefully
round with hobbies and little luxuries,
avoid all entanglements. Lock it
up safe in the casket or
coffin of your selfishness.
But in that casket, safe,
dark, motionless, airless, it
will change. It will not be
broken; it will become unbreakable,
impenetrable, irredeemable.
To love is to be vulnerable.

(C.S. Lewis)
PULSEXPERIMENTE außer kontrolle
unsere übergewichtigen ausarmungen,
zum zurückrudern fehlt ein süßstoffspray;
die achtsamkeiten im see
am oktavensprunglächeln festgepinnt.
unsere grasspitzenfühligkeit
schluckt fragezeichen wie abwesende.

(Hans Kühnle)
was erwartest du?
dass er herabsteigt
von den bergen
am morgen
der tau
in dein bett von lehm?
bevor die sonne ihn aufleckt
ein korn das versprechen begrünt
zu wachsen und äpfel zu tragen
bis in den himmel
wieder?

(ja!)

(Carl Reiner Holdt)
Wir liegen am Meer
in unseren Decken
sich ineinander zu stehlen
während die Kleine schläft

sie schläft nicht
so bleibt es bei der Berührung
die einem der Himmel bedeutete

das erste Mal

(Volkmar Mühleis)

im Dorf

ein leises Wundern
niemand benutzt hier Straßennamen
der wohnt neben dem und
führt im Schilde
das Leben als Gleichgewichtsstörung
Schulterschief mit
Schraubzwingen zusammengehalten
läuft gleich weiter

(Michael Koch)

wo der bleistift schrift getan

buch staben/von fingern ge-
spitzt/in mundwinkel gebünd-
delt/zur stirne gehöhlt//
ein wimpernschlag//
buch staben im kopf/ die zu
worte werden/auf seidendün-
nem papier/zu schreibschrift
werden/wo der bleistift schrift
getan//
buch staben/wie sand am
strand am saum des sees-

(andrea drumbl - gewinnerin des kärntner lyrikpreises 2010)

Theorie und Praxis

Sie sagte
der Film habe ich sehr gut gefallen
hervorragend
wie die Psyche dieser Frau
so sorgfältig
analysiert worden sei:
sie habe so deutlich
Liebe gewollt
es aber nicht geschafft
Liebe anzunehmen
nicht einmal
die schüchterne Zärtlichkeit
dieses Mannes -
wirklich ganz ausgezeichnet
beobachtet...
Der, mit dem sie sprach
legte seine Hand auf ihre
da zog sie sie zurück.....

(Jörn Pfennig)

dauernder strategiewechsel

ist keine lösung, sagst du. deine fleckigen hände
halten eine teetasse in den jubel der regenfälle.
hinter unserem rücken hupen staatsanleihen.

vor dem nicht endenden schrillen dieser sicherheit
versuchen wir was anderes. lassen es gleich wieder
bleiben. tut ähnlich weh. wir lachen.

wie selten wir einander antwort geben. die gebäude
drücken auf unsere nerven. ich sag:
verstehst du was ich meine? der tanz der fahrer.

unter unseren blicken geht weiter

(Alexander Gumz)
bevor ihr die augen schließt
um zu träumen
zieht ihr hausschuhe an
auf dass eure phantasie nicht
schmutzig werde.

(gefunden in der myway-ausgabe dezember 1990)


arm-mut

wenn alle die
die wegschauen
hinsehen würden
würden die
die herabsehen
auf die ohne Ansehen
sich endlich anschauen.

(Klaus Johannes)

Mixed Pickles

wenn sich dein blick
in mein herz stiehlt
und der schutzschild
zwischen uns vor liebe
durchsichtig wird
glaube ich wieder
an träume

(gefunden in der myway ausgabe märz 1991)


Wien-Hamburg-Paris

Coladose - Riesenrad
Im Mc Donald´s

Ministretchstrumpfschwarzeshaar

um Viertel Acht
zwischen zwei Hamburger
war eine
Pariserin
getreten.

(Erwin Zbiral)

Automensch

morgens
schält er sich
am parkplatz
und verbirgt
als schnecke ohne haus
als seele ohne körper
hinterm schreibtisch
vom pürstel und fleck
so ganz ohne blech
ohne gehäuse
bis 17 uhr 30
die zeit

(Karin Laschober)

allmorgendlich
tauschen. wir unsere
schlafweichen
verknuddelten
zerknautschten
gesichter
gegen masken
um von
den anderen
masken
nicht als
menschen
entlarvt
zu werden.

(Nancy Cas)


Späte Erkenntnis: Es ist viel einfacher, vom Leben zu schreiben, als vom Schreiben zu leben.

(Wolfgang Mohl)
eines tages
wird mich niemand halten
ohne wenn und aber
frei sein für mich selbst
auch wenn ich einsam bin
frei werden
im wind wehen
aber sich tragen lassen.

(gefunden in der myway-ausgabe mai 1991)

nächsten sommer

der nächste sommer wird bestimmt besser.
warum, weiß ich nicht.
im frühling werde ich mich verlieben
wenn es gar nicht anders geht in mich
und im august wird es regnen
das war schon immer so.
im nächsten sommer werde ich
geld haben zum reisen
ein haus bauen, verrückt werden
erfolgreich. es wird alles so gut werden
dass ich sprechen und schreiben aufgeben kann
im nächsten sommer, wenn er da ist
werde ich meine bücher verbrennen
und in die asche schreiben
werde die mülltonne füllen mit musik
die man am anfang der sterne hört
mit kochtöpfen und flaschen voller staub.
dann wird es den ganzen august regnen
aber der liebe wird das egal sein
ich weiß nicht, warum. ich
werde keine heimat mehr haben
frei sein von mir
und anders träumen
nicht nur im schlaf
nächsten sommer
wenn alles besser wird.
früh im jahr wird es zu schneien beginnen
aber in der umarmung der nacht
spürt man nichts davon
die einsamkeit ist ein bettler
singt vor der haut, hat keine tränen
ich weiß das am besten.
dann aber, dann
ist alles gut.

(aus: ludwig fels…

liebesgedicht

heute bist du in die rote hose geschlüpft
und in den anorak aus fell

du bist zur mariahilfer straße
(eine station 13a)
schwarzgefahren

du hast ein virusprogramm gekauft
mit kalter nase
du kümmerst dich
ums leben

deine rote hose ist weich
und mag dich

(martin amanshauser)

Gründe

"Weil das alles nichts hilft
sie tun ja doch was sie wollen

Weil ich mir nicht nochmals
die Finger verbrennen will

Weil man nur lachen wird:
Auf dich haben sie gewartet

Und warum immer ich?
Einer wird es mir danken

Weil da niemand mehr durchsieht
sondern höchstens noch mehr kaputtgeht

Weil jedes Schlechte
vielleicht auch sein Gutes hat

Weil es Sache des Standpunktes ist
und überhaupt wem soll man glauben?

Weil auch bei den andern nur mit Wasser
gekocht wird

Weil ich das lieber Berufeneren überlasse

Weil man nie weiß
wie einem das schaden kann

Weil sich die Mühe nicht lohnt
weil sie alle das gar nicht wert sind"

Das sind Todesursachen
zu schreiben auf unsere Gräber

die nicht mehr gegraben werden
wenn das die Ursachen sind

(Aus: Erich Fried: Gedichte 1)

Abend

Die Sonne geht unter, das Süßwasser ergibt sich.
Der See ist so ganz ohne Falten und
von nichts mehr entmutigt.
Mücken steigen auf
in fiebrigem Tanz nur für sich,
niedrige weiße Streifen
durchkreuzen den irdischen Himmel
in diesem Frieden, -
welch Verschwendung
für mein Selbst.

(Elisabetta Abbondanza)

was wir persönlich nehmen?

zypressenhaine. picknickkörbe in unserem waidwohnzimmer. ein wie ein stück silber schlampig hingeworfenes ciao. 1/30 notgroschen unter der zunge. dass die wichtigsten fragen gar noch nicht gestellt sind. dass uns der hund vor dem kirchen tor im argen weg liegt. dass er erwacht, wenn wir vorbeigehen und uns blicke zubellt. das sich behutsam öffnende messer in unserer tasche. etikettenfehler. scheppse wetterkrägen. spitze klammern, die uns die welt verklären. unrechtsatem. röhrende see. das flappende wehen einer rosa schäferhundzunge. (Armin Steigenberger)

Die quälende Wiederkehr der Miniröcke

Die jungen Frauen in der Metro
Bewegen sich durch eine theatralische Atmosphäre
Im Monat Mai, äußerst begehrenswert;
ich bin ohne meine Aktentasche unterwegs.

Gelegenheit für "sexuelle Abenteuer"?
Kunstfertige Spiele der Verführung?
Meine Tage sind eindeutig real,
Ich gerate in einen Zustand der Bestürzung.

Die unendliche Folge der prallvollen Waggons
Auf der Linie 8 (Balard-Créteil);
Am nächsten Tag bin ich gefallen,
Es war ein sonniger Tag.

Man feierte den Frühlingsbeginn
Mit wehenden, erschreckenden Röckchen,
Ich hatte nicht mehr viel Zeit
(Und ich spürte mein lebendiges Fleisch).

(Michel Houellebecq)

zeitlupe

fischhaut und keine commitments
seit damals bis unlängst noch
alles in zeitlupe nur hie und da

spielwörter vereinzelt
wie schuppen vielleicht oder
schillernd bläuliches licht

leichtfertig von der hand
auf dünnes papier
ungesagt das meiste bisher

(Marianne Rieter)

hotel caesar palace

auf koffern voll vorfreude sitzend
erwarten wir den geflügelten bus
ins überbuchteste aller paradiese.
sympathisch nicht unbedingt,
sonnenschutzfaktor sechzehn,
aber glücklich sind wir, ausgestreckt
auf unseren liegestühlen, jeder
für vierzehn tage ein kleiner tiberius.

dann wieder zurück in den stau,
den kontoauszügen entgegen
und den dunkleren nachmittagen
im november. in den büros
lauert die wiedervorlage
unter der neonleuchte,
die flackert, flackert, flackert,
bis sie endlich erlischt.

(Hans Magnus Enzensberger
Aus: leichter als luft, moralische gedichte.)
KARTEN von Orten
die es nicht mehr gibt
oder die anders heißen
wo die Erinnerung
nichts wert ist
und die Sprachen
fremd oder tot...
Jeder Ort
ein geheimnisvolles Zeichen
mit jeder Stunde
geheimnisvoller....
Vergangenheit codiert
Für wen?

(Waldemar Weber gefunden in Dulzinea 13)

traumbilderwelten

an jenem gewöhnlichen montagabend
lud ich dich zu einem glas rotwein
in meine wohnung ein.

und während du auf meinem allerweltsofa platz nahmst,
sprachst du unentwegt
von diesem anderen mädchen.

in dieser nacht schaute ich dir in die träume.
schmetterlingsflügel malten dich in bunten farben,
gemeinsam verzehrten wir das herz des himmels
und ich spürte so etwas wie glück.

unmöglich zu schlafen,
nur um von dir zu träumen.

(Molk Manuela)

Zärtlich

Wenn du gehst
bin ich manchmal in lyrischer Stimmung.
Ich wickle die Küsse ins Leintuch.

Zärtlich sind Pflanzen und Tiere im Schlaf
der Mensch schauft wie ein Vulkan.

Gib mir den Atem zurück! du hast ihn
verschlungen aus meinem Mund.
Jetzt ist dein Gesicht von Speichel verklebt
und dein Magen auch nicht gefüllt
von mir.

(Martin Amanshauser)

traumbilderwelten

an jenem gewöhnlichen montagabend
lud ich dich zu einem glas rotwein
in meine wohnung ein.

und während du auf meinem allerweltsofa platz nahmst,
sprachst du unentwegt
von diesem anderen mädchen.

in dieser nacht schaute ich dir in die träume.
schmetterlingsflügel malten dich in bunten farben,
gemeinsam verzehrten wir das herz des himmels
und ich spürte so etwas wie glück.

unmöglich zu schlafen,
nur um von dir zu träumen.

(Molk Manuela)

am lidschlag der zeit

auf dem unbewohnten grundstück wuchterte das unkraut.
ich trug das sonnenblumengelbe kleid,
an dem schon seit ewigkeiten ein knopf fehlte.
wir sprachen sehr viel.
als wäre da ein loch vor uns,
in dem unsere worte unablässig zu versickern drohten.
und als sich dein schattenbild so vor mir abzeichnete,
so menschlich, so unvollkommen, so gewöhnlich,
da wollte ich uns zur zukunft machen,
aber die gegenwart blinzelte scharfsichtig durch die dünne wolkendecke.
da wusste ich: wir befanden uns am lidschlag der zeit

(Manuela Molk)

Nicht mutig

Die Mutigen wissen
dass sie nicht auferstehen
dass kein Fleisch um sie wächst
am jüngsten Morgen
dass sie nichts mehr erinnern
niemandem wiederbegegnen
dass nichts ihrer wartet
keine seligkeit
keine folter
ich
bin nicht mutig.

(Marie Luise Kaschnitz)

Das Gespräch

Vor nicht allzu langer Zeit
trafen sich Suizid und Heldentod
in einer Konkurs gegangenen Bar
zum Gespräch über den Nutzen der Sehnsucht.

Noch hatte keiner der beiden das Wort ergriffen,
da löste sich von der Decke der Kronleuchter.
Begrub die zwei Tunichtgute unter sich. -
Das Gespräch, das sie führten, hält bis heute an.

(Jürg Halter gefunden beim Ammann Verlag)
Sonntagsgefühle.
Die kleine Alltagswelt platzt
aus allen Nähten.
(Ernst Ferstl)

Geben und Nehmen:
Stück für Stück Wärme sammeln
für kalte Tage.
(Ernst Ferstl)

Krötenwanderung
Sie gibt ihm das Jawort
Unterm Regenschirm
(Christa Bonstingl)

Rote Blattläuse
Entrinnen der Sonnenglut
Sie trägt Lippenstift
(Christa Bonstingl)

Körperkapital
treibt den Kurs in die Höhe.
Ich-AG Liebe.
(Anja Gerstberger)

Knospen brechen ins Licht.
Das alte Paar
geht gebeugt seinen Weg.
(Volker Friebel)

Zwischen alten Trittsteinen
wild Wuchern:
Vergissmeinicht.
(Volker Friebel)

Mein Kopfkissenbuch
ist ganz durchnässt von Tränen
Liebe unlesbar
(Odile Endres)

Manchmal, wenn der Horizont

Manchmal, wenn der Horizont immer näher
heranrückt, bis er das Zimmer durchtrennt, wenn schwarze,
Blicke schluckende Quader vor den Fenstern
ruhen, wenn Stimmen aus Drähten heraus die Zeit in
Stücke reden, und ein schimmernder Teppich aus
weißem Fleck, Irak, weißem Fleck und Afghanistan
durch die Hölle fliegt, ohne Feuer zu fangen:
Manchmal zerfällt dann alles um mich in Teile.
Ich allein scheine ganz. (Betrachte ich aber
dich, wie du weit entfernt von mir schläfst, wird selbst das
Illusion)

Susanne Morawietz (gefunden in Dulzinea)

Wenn da

Nicht einer gewesen wäre
Der die städte leuchten ließ
Die häuser in den himmel wachsen
aus straßen achterbahnen machte
Die schatten aus meinem gesicht
Vor die glühende sonne hing
Aus wolkenfetzen
Passende träume schnitt und
Die lügen zertrat wie lästiges fragen
Wenn da nicht einer gewesen wäre
Der aus den scherben der hoffnung
Kaleidoskope zauberte -
Ich fände die straße
Das haus den tisch und
Die vase nicht mehr mit den zweigen
Des lichts

(JanaJana)
PULSEXPERIMENTE außer kontrolle
unsere übergewichtigen ausarmungen,
zum zurückrudern fehlt ein süßstoffspray;
die achtsamkeiten im see
am oktavensprunglächeln festgepinnt.
unsere grasspitzenfühligkeit
schluckt fragezeichen wie abwesende.

(Hans Kühnle)

lichtstille

der tritt von schwerem schuh
werk auf dem pflaster bruch/stück/
haft einige sehr populäre songs

aus dem radio bevor die nach
richten in die unwirklichkeit
dringen/das licht fällt in schmalen

streifen an die raufaser einer
wohnung in der schon lange
niemand mehr wohnt geschweige

denn lebt und letztendlich dein
verblichenes foto auf der fensterbank
schlägt kerben in den leib der zeit

(Stefan Heuer)

das herz

tut weh
aber spricht nicht.

es ist kein vermittler
im büro für desorientierung.

tüchtig wie sisyphos,
versorgt es abgelegenste provinzen
mit strom und getreide
und unzustellbarer post.

es hat keinen begriff
von reinheit.

keinen von ewigkeit.
es kommt nicht herbeigelaufen

wenn wir es rufen.
im grunde ohnmächtig,

arbeitet es weiter dort unten
in seinen wallnussgemäuern.

(Iris Schröder)

hundeleben

und einmal
da lebte ich in einer eulenspielgelgesellschaft
nullen jagten mich
anderntags
war wieder leerzeit (oder war es zeitleere)
mit entzündeten lidern
meine pfötchen gehoben
wartete ich im käfig hechelnd
nach einem freundlichen blick
bevor sie mich
im sprung erwischten

(alma marie schneider)


wenn ich könnte, würde ich das projekt "halbtags leben" erfinden. jeder mensch sollte das recht haben, sich in der zweiten hälfte des tages von der ersten zu erholen.

(wilhelm genazino)
in manchen nächten kannst
du meine küsse riechen
dann duftet der mond nach
rosen und der garten
trägt stolz sein licht
blass noch die
erdbeergesichter
bereit zum erröten
am morgen
danach

(Gerlinde Weinmüller)