familiensonntag

diakästen stauben im schrank wirf der projektor erinnerungen
an die wand: kindheit vor anbruch des farbfilms. schwarzweiß
flimmern kopien toter soldaten mit fliegermützen, orden blicken
sie vom bildrand. großvater verschwindet im eigenen gesicht
dreht runden ums licht. großvater bewacht ein museum
abgelegter haut. großmutter sortiert wäsche wie gedanken
die blitzen weiß auf gestärkt vor dem schrank geht großvater
spazieren in seinem kopf perlt sekt zu kaisers geburtstag ordnet
großvater orden vom ersten krieg. großmutter zupft daunen. hundert
gänse verschwinden in ihrem bett. es hat eine seltsame dichte
wo großmutter wohnt, darf niemand reden. großvater flüstert uns sätze
in seinem haus besiedeln wir zimmer. das haus wächst leer auf
mit gespenstern. von den wänden fällt schmerz in die hände. großvater
sitzt in den enkeln und spricht mit den bildern am projektor erblickt er
und verwirft er den nachwuchs.

(Hartwig Mauritz)

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