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Posts

Es werden Posts vom Juni, 2011 angezeigt.
ich glaube,
er sah nicht dich in dir,
aber du warst es.

sie sehen niemals dich in dir,
aber du bist es.

wir sehen nicht den andern
in sich,
aber er ist es.

(Eva Cader-Benedix)

Natur

Hierher, sagen mir Bekannte,
bauen wir uns Häuschen.
Auf ihrem Grundstück grasen Kühe
und Blumen wachsen im Klee.
Hier ist noch alles so natürlich, sagen sie,
die Luft und der Wald, Hügel und Felder
hier werden wir wohnen.....

Ohne euch
sag ich
würde es so bleiben.

(Ludwig Fels)
Die Seufzer aus vielen Mündern sammelt die Erde,
und in den Augen der Menschen, die du liebst,
wohnt die Bestürzung.
Alles, was geschieht, geht dich an.

(Günter Eich)

Heimat

Land unter vielen Ländern,
Land mit zerrissenen Schuhn,
dich lieben heißt dich verändern,
dich träumen heißt selten ruhn,

dich suchen heißt lange noch fragen:
"Wo ist dein Bruder, Kain?"
dich finden heißt Trümmer zerschlagen,
Stein wieder fügen an Stein.

(Erich Fried)

Strandgänger

Noch immer
über dem Schilfland
die Mittagsflamme, über
der Düne
noch immer nicht
das Rauschen der Schwäne, noch immer
das Salzkraut
lautlos,
die Hände im Sand.

Wenn das Sternzeichen fliegt
über dem Sund,
Eis an den Flügeln,
die Wälder aus Grillenstimmen
heraufgehn
über die Öde,
mit hohlen Mündern reden
hinab auf die See -

ich hör dich kommen, du trittst
aus deinen Schatten, wirfst
von der Schulter die Last
Schwemmholz, aus der Hand
huscht dir ein Feuer.

Dich werd ich fragen:
Wie heiß ich?
Wo bin ich?
Wie lang noch
bleibe ich hier?

(Johannes Bobrowski)

Knarren eines geknickten Astes

Splittrig geknickter Ast,
Hangend schon Jahr um Jahr,
Trocken knarrt er im Wind sein Lied,
Ohne Laub, ohne Rinde,
Kahl, fahl, zu langen Lebens,
Zu langen Sterbens müd.
Hart klingt und zäh sein Gesang,
Klingt trotzig, klingt heimlich bang
Noch einen Sommer,
Noch einen Winter lang.

(Hermann Hesse)

gedicht von gedichten 4

gedichte
sind nicht polizeilich gemeldet
gedichte
gehen niemals zur schule
gedichte
sind nicht militärdienstpflichtig
gedichte
sind nicht an der teuerung schuld
gedichte
haben nicht singen gelernt
gedichte
stören den nachbarn nicht
gedichte
streuen keine bakterien
gedichte
fliegen ohne geräusch
gedichte sind frei
gedichte sind da

(Kurt Marti)

Resumé

Bis heute kein einziger Seepapagei in meinen vielen
Gedichten
(Stattdessen schon wieder´n Dutzend Fadennudeln im
Bart);
Auch dem Sabberlatz nicht das ärmste Denkmal gesetzt
in Vers oder Prosa,
So wenig wie der Elbe-Schiffahrt oder der Karpfenernte
bei Peitz.

Geschiebemergel dagegen ja!, fast zu häufig die Rede von
diesem
(Und meistens mit Fadennudeln im verwahrlosten Bart)!
Nicht vergessen die Gelbhalsmaus, nicht fehlt die
sogenannte Naschmarktfassade!
Selbst Sägeblätter, selbst Kühlhaus-Eier weiß ich
irgendwo untergebracht.

Indessen nicht der kleinste Seepapagei in meinem
Scheiße-Gesamtwerk!
Um ehrlich zu sein: Das Gleiche gilt für den Hüfthalter
oder den Kronenverschluß.

Und wie konnte ich fünfzig Jahre lang das Wörtchen
"Wadenwickel" verfehlen?
Es gibt keine ausreichend lichte Erklärung für das und
für dies und für das.

"Darf ich dir die Fadennudeln aus dem Bart nehmen?"
(Sagt Georg Maurer)

(Adolf Endler)