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Es werden Posts vom Juli, 2011 angezeigt.
Wenn jemand sucht, dann geschieht es leicht, daß
sein Auge nur noch das Ding sieht, das er sucht,
daß er nichts zu finden, nichts in sich einzulassen
vermag, weil er nur immer an das Gesuchte denkt,
weil er ein Ziel hat, weil er vom Ziel besessen ist.
Suchen heißt: ein Ziel haben. Finden aber heißt: frei
sein, offen stehen, kein Ziel haben.

(Aus: Siddharta von Hermann Hesse)
ein glockenschlag
vom königinnentum
ein erwachen

was sie aus dem leben
herausgeklopft
eine träne aus stein

glaube weiter an die liebe
tief und königlich

(Traute Foresti)
Wenn man den Kopf einmal ganz frei von allem machen könnte,
für einen Moment nur, alle Schubladen der Erinnerung fest zugeschoben (....),
abgeschottet von allen Eindrücken:
ein leeres Gefäß sein.

(Aus: Wach von Albrecht Selge)

And the Others

Some find The Light in literature;
Others in fine art,
And some persist in being sure
The Light shines in the heart.

Some find The Light in alcohol;
Some, in the sexual spark;
Some never find The Light at all
And make do with the dark,

And one might guess that these would be
A gloomy lot indeed,
But, no, The Light they never see
They think they do not need.

(David Berman)

Engel des Vergessens

Ein Auszug aus dem Roman der Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Maja Haderlap

In den Wald zu gehen bedeutet in unserer Sprache nich nur Bäume zu fällen, zu jagen oder Pilze zu sammeln. Es heißt auch, wie immer erzählt wird, sich zu verstecken, zu flüchten, aus dem Hinterhalt anzugreifen. Man habe im Wald geschlafen, gekocht und gegessen, nicht nur in Friedenszeiten, auch im Krieg seien Männer und Frauen in den Wald gegangen. Nicht in den eigenen Wald, nein, dafür sei er zu schütter, zu klein und zu überschaubar gewesen. In die großen Wälder seien sie aufgebrochen. Die Wälder seien der Zufluchtsort vieler Menschen gewesen, eine Hölle, in der Wild gejagt worden sei und in der sie gejagt wurden wie Wild.
Die Erzählungen kreisen um den Wald, wie auch der Wald um unseren Hof kreist. In ihm verborgen die Jagdplätze, die Futterplätze, die Beerenplätze, die Pilzplätze, die man nicht preisgibt. Noch heimlicher sind die heimlichsten Ore, zu denen kein Weg und kein Steig führen, die über Jagdpfade un…

Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

(Erich Fried)

nur für dich

heimlich wachsen
ohne grosse worte
einfach ein bisschen wachsen
zwischen den zeilen
luft holen und etwas tun
von dem du nicht glauben kannst
das es möglich ist
und heimlich wachsen
nur für dich

(Hermann Josef Schmitz)

Gedicht, wo nix los ist

Abendland und Untergang,
zwei Rentner aus dem Plattenbau,
betreten ihre Lieblingskneipe.
Sagt Abendland: Ich nehm ein Bier.
Sagt Untergang: Ich auch.

So sitzen sie und trinken.
Sagt Abendland: Mein Freund -
Sagt Untergang: Wer? Ich?
Dann lachen sie und trinken.

Was wolltest du denn sagen?
fragt Untergang. Und Abendland
versucht sich zu erinnern. Es fällt
ihm nicht mehr ein. Sie rauchen.

Wir melden und zurück, sobald sich

(Helmut Krausser)