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Posts

Es werden Posts vom November, 2011 angezeigt.
wüsste gerne was man
der anschmiegsamen silbe
alles brechen muss/damit sie
endlich aufhört diese magere
katze anzuhimmeln die/jedes
mal die klinkelose fensterseite
hinüber/schleicht//
dreh dich um/du liegst im bett
auf deinen augen

(aus dem Gedicht "morgendlich" von David Schuller - Gewinner des Kärntner Lyrikpreises 2011)
Schweigen vom schwarzen spritzer getroffen
bis zur seele im klaren kristallenen tag.
von den schattenbruchstücken gelegter klang
in die magnetnacht, die traumstriche

verglühter energien aus uns in ihr,
reifkalte kraftlinien des lichts,
gespreizt, tausendfingrig, in die luft,
die schwanger von den winden, von den jahren schwer

(augen in augen: hängende brücke der weite
zum weiß gespannt aus der gewichtigkeit
und vom übergehen hell)

wacht mit kühlem schoß ohnen laute
zwischen und, mit dem wegküssen der erde
immer näher, ausgewaschen in vollkommene materie.

(Niko Grafenauer)

Ein Stück Himmel

Wir sollten
am Abend
vor das Haus treten,
tief die Luft einatmen
und den Blick
zum Himmel richten; dem Gesang des Vogels
auf dem Dach lauschen
und das milde Licht der Abendsonne
fühlen.
Wir sollten
beim Schließen der Türen
nicht vergessen,
etwas davon mit ins Haus zu nehmen,
vor allem
ein Stück des Himmels.

(Peter Helbich)

siebenseidig

traumlichttrunken bist du
aus matt entwachsen
gelebte wurzeln drehn sich um
raue wege endlich wunschfrei
hinterm tag

deck mich zu mir ist so
kalt vor lauter welt
dann sind wir wahr und
bleiben leise unser
stauraum

(Gabriele Schmiegelt)

touristen strömen

touristen strömen durch die altstadt
dem fluss entlang zum bellevue
quellen über brücken und stellen sich
vor kirchen meinem tag in die quere

auf wie vielen ferienvideos
schnappschüssen mein hinter-
kopf ein arm ein lächeln gar
geschenkt einem weitgereisten

(Simon Froehling gefunden bei fixpoetry)

krach ist ein anfang glück ein simpler akkord

im rücken der augen rollen bässe wuchten
uns ineinander jahrelang bin ich gelaufen für
dieses konzert du kamst aus der gleichen
richtung und den rest könnt ich mir denken

sagst du so leis dass ichs kaum versteh und
vielleicht nur annehmen will weil deine
hände den meinen die reisen ablesen als
wären es ihre eignen und der himmel rockt
und lärmt und bleibt in allem ein punkt der

sich seinen irokesen in regenbogenfarben
lackiert metaphorisch gesehen tanzen wir auf
dünnem seil hören die wellenreiter lästern
keinen cent wert ist uns ihr geblöke vivamus
atque amemus campino krakeelt was zählt

(C.W. Bauer)
Glück gibt es nur, wenn wir vom Morgen nichts verlangen und vom Heute dankbar annehmen, was es bringt, - die Zauberstunde kommt doch immer wieder.

(Hermann Hesse, aus einem unveröffentlichten Brief 1922)

herbst

herbst sagst du
aber ich sage dir
nicht oktober nicht november
du musst einen neuen kalender erfinden
ein andres alphabet
eine sprache die einhalt gebietet
denn die zeit fällt
fällt ins unabsehbare
und wir fallen mit ihr

(Rose Ausländer)