Direkt zum Hauptbereich

Posts

Es werden Posts vom Dezember, 2011 angezeigt.

Süße Person

Süße Person,
faß deine Seele an und komm,
wir wollen morgen mit einer Bimmelbahn
hinausfahren an ein Meer
und Schneckenhäuser sammeln.

Sei nicht ängstlich, greif
nach dem reiselustigen Fisch im Wasser -
mit dem Tropfenüberschuß
des letzten Regens der Erde
wasche ich dir die Augen aus,
denn du hast kein Recht zu weinen,
bevor du nicht tot bist
und ein Stern dir sagt: Weine nun, Engel!

(Christoph Meckel)

Es ist Advent

Im Tale sind die Blumen
nun verblüht
und auf den Bergen
liegt der erste Schnee.
Des Sommers Licht und
Wärme sind verglüht,
in Eis verwandelt
ist der blaue See.
Wie würde mir mein Herz
in Einsamkeit
und in des Winters Kälte
angstvoll gehen,
könnt ich in aller
tiefen Dunkelheit
nicht doch ein Licht
in diesen Tagen sehn.
Es leuchtet fern und
sanft aus einem Land,
das einstens voll von
solchen Lichtern war,
da ging ich fröhlich an der
Mutter Hand
und trug in Zöpfen
noch mein braunes Haar.
Verändert hat die Welt
sich hundertmal
in Auf und Ab - doch sieh,
mein Lichtlein brennt!
Durch aller Jahre Mühen,
Freud und Qual
leuchtet es hell und schön:
Es ist Advent!

(Friedrich Wilhelm Kritzinger)
der kaffee macht milchhaut
deine haut mag ich
auch das auweh des
sehens/ sehnens
als wär ich das offene
einer tür/
/ nein, man wird sagen ich
fälsche/

(Sophie Reyer gefunden bei Fixpoetry)

Winternacht

Der Winter ist gekommen
und hat hinweggenommen
der Erde grünes Kleid;
Schnee liegt auf Blütenkeimen,
kein Blatt ist auf den Bäumen,
erstarrt die Flüsse weit und breit.

Da schallen plötzlich Klänge
und frohe Festgesänge
hell durch die Winternacht;
in Hütten und Palästen
ist rings in grünen Ästen
ein bunter Frühling aufgemacht.

Wie gern doch seh ich glänzen
mit all den reichen Kränzen
den grünen Weihnachtsbaum;
dazu der Kindlein Mienen,
von Licht und Lust beschienen;
wohl schönre Freude
gibt es kaum.

(Robert Reinick)

Alles still!

Alles still! Es tanzt den Reigen
Mondenstrahl in
Wald und Flur,
und darüber thront
das Schweigen
und der Winterhimmel nur.

Alles still! Vergeblich
lauschet man der Krähe
heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein
summt vorbei.

Alles still! Die Dorfeshütten
sind wie Gräber anzusehn,
die, von Schnee bedeckt,
inmitten eines
weiten Friedhofs stehn.

Alles still! Nichts
hör ich klopfen
Als mein Herze
durch die Nacht -
heiße Tränen niedertropfen
auf die kalte Winterpracht

(Theodor Fontane)

dornresal

schlaf zua:

i bin koa brinz,
i hob koa schweat
& hob koa zeid
zum heggnschneidn
mauergraxln
busslgeen
& heiraden.....

i muas moang fruah
in d orwad gehn
(sunsd fliage naus)

i muas zum drama
aufn sonndog wortn
& zum denga aufn urlaub.

schlaf zua
& draam de näxdn hundad johr
vom richdign.

(Josef Wittmann)
Und in deiner Sprache, wie
sagt man da "Tod"?
Reimt sich´s da auch auf "vom
Aussterben bedroht"?
Und doch schön zu spüren, dass
niemals was stirbt,
und das Wort "Tod" nie das
letzte sein wird.
Der Tod ist ein Seitensprung,
mehr a scho ned.
Du schlafst ein und wachst auf,
nur in an anderen Bett.
Das schöne Wort "Tod", schön
wie ein Stern,
in deiner Sprache möcht ich´s
gern hör´n;
Du mein riesiger Freund, da
drinnen im Meer.

(Ludwig Hirsch)
Ich ließ meinen Engel
lange nicht los,
und er verarmte mir
in den Armen
und wurde klein,
und ich wurde groß:
und auf einmal war
ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß.

Da hab ich ihm
seinen Himmel gegeben,-
und er ließ mir das Nahe,
daraus er entschwand;
er lernte das Schweben,
ich lernte das Leben,
und wir haben langsam
einander erkannt......

(Rainer Maria Rilke)