Von den Sanftmütigen

Die Sanftmütigen werden die Erde besitzen:
sie tragen sie hinter den Nägeln, zwischen den Zehn,
an den Schuhn,
sie locken ihr Wasser und Gras und Rosen und Korn
aus Schründen und Ritzen
und wissen, wo die versteinten Wälder, die Fische der Vorzeit ruhn.

Sie spüren den mächtigen Erzen an die erstarrten Adern
und machen sie singen und ihren Händen schmiegsam wie Ton,
sie versetzen Berge, trocknen das Meer und schmelzen aus finsteren Quadern
hauchdünnes Glas und gehen wie der Regen grau und fruchtbar davon.

Einverstanden mit Käfer, Wurm und Grille
vermählen sie dem Staub ihr unerkanntes Gesicht,
bis der Engel sie als duftendes Büschel Kamille
ans zerrissene Herz des Heilands legt beim Jüngsten Gericht.

(Christine Busta)

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