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Es werden Posts vom April, 2012 angezeigt.

Heimlich zur Nacht

Ich habe dich gewählt
Unter allen Sternen.

Und ich bin wach - eine lauschende Blume
Im summenden Laub.

Unsere Lippen wollen Honig bereiten,
Unsere schimmernden Nächte sind aufgeblüht.

An den seeligen Glanz deines Leibes
zündet mein Herz seine Himmel an -

Alle meine Träume hängen an deinem Golde,
Ich habe dich gewählt unter allen Sternen.

(Else Lasker Schüler)

Märzwunsch an den Garten

Bleib ein Panther,
Schwärzling,
gefleckt und hungrig,
auf Osterdienstage,
Regenstränge,
Rosenkranzgesetze;
auch auf solche,
die nachlassen,
auf die verworfenen Gewinne,
aus Kinderlotterien,
den Inhalt
süßer, inhaltsloser Episteln,
bleib so,
naß und zornig;
wie du jetzt bist,
bereit,
von den ersten Kätzchen
bis zum Wetzstein
und zur langen Grenze
alle
und mit allen Unterschieden
zu verschlingen,
bleib so,
bleib hungrig
auf uns.

(Ilse Aichinger)

Leben

Es ist kalt geworden
daußen in der Welt.
Vor dem kühleren Wind
schützt mich mein Mantel nicht mehr,
welke Blätter
wirbeln mir ins Gesicht.
Bald schon wird
der Frost zu mächtig sein.
Und doch muss ich
vorbeigehen am einzigen Fenster,
dessen mildes Licht mir Zuflucht bieten würde.

(Aus: Nicht jeder träumt still. Texte und Bilder aus dem Stiftsgymnasium Admont)

Ostern

Die glocken läuteten,
als überschlugen sie sich vor freude
über das leere grab

Darüber, dass einmal
etwas tröstliches gelang,

und dass das staunen währt
seit zweitausend jahren

Doch obwohl
die glocken so heftig gegen die mitternacht
hämmerten -

nichts an finsternis sprang ab

(Reiner Kunze)