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Es werden Posts vom November, 2015 angezeigt.

Der Tote ist ein unsichtbares Telefon

Er ist die kleine Schnittmenge im Tortendiagramm der noch gegenläufigsten Leben. Eine Unruhe und ein Hunger sind allem eigen, in dem das Sterben angelegt ist. Es leitet die Wege und lässt stets fürchten, ob es die richtigen sind. Es bewahrt den Menschen vor der Unendlichkeit, dieser unerträglichen Vorstellung, und der Beliebigkeit, die mit ihr kommen muss. Es stellt die Uhren. Es ist ein Auftrag, ein Ruf zu Exzess als biologischer Imperativ, bevor man ins Grab sinkt. Der Tod ermuntert zum Leben, bis er eintritt....Wie schade, wenn man nicht weiß, wie man ihm persönlich begegnet, wenn er institutionalisiert und einsam ist, wenn es einem fremd bleibt, wie weich und schön die Hände, die alte Haut einer Großmutter sein können und wie lebenswichtig jede letzte Berührung, jedes Wort, jede Anwesenheit ist, nicht nur für die, die sterben, aber auch für einen selbst.

(Valerie Fritsch, erschienen in der Kleinen Zeitung vom 1. November 2015)

Früher oder später

"Aber früher oder später erleidet jeder Schaden, und das geht nicht ohne Veränderungen ab." "Ach wenn man Schaden erleidet, braucht man einen Ort, an den man zurückkehren kann." "Einen Ort, an den man zurückkehren kann?" "Einen Ort, an den es sich lohnt zurückzukehren."


"Hin und wieder hat das Schicksal Ähnlichkeit mit einem örtlichen Sandsturm, der unablässig die Richtung wechselt. Sobald du deine Laufrichtung änderst, um ihm auszuweichen, ändert auch der Sturm seine Richtung, um dir zu folgen. Wieder änderst du die Richtung.

Und wieder schlägt der Sturm den gleichen Weg ein. Dies wiederholt sich Mal für Mal, und es ist, als tanztest du in der Dämmerung einen wilden Tanz mit dem Totengott.

Dieser Sturm ist jedoch kein beziehungsloses Etwas, das irgendwoher aus der Ferne heraufzieht. Eigentlich bist der Sandsturm du selbst. Etwas in dir. Also bleibt dir nichts anderes übrig, als dich damit abzufinden und, so gut es geht, einen Fuss vor den…