Alex Capus: Léon und Louise


Ein Buch, das lange nachhallt. Eines, das ich beendet habe, um es dann noch einmal zu beginnen. Eine Liebesgeschichte. Aber keine, die in Hollywood anzusiedeln ist. Es ist die Geschichte von Léon und Louise, die sich während des Ersten Weltkrieges im kleinen Ort Saint-Luc kennen und lieben lernen, dann aber in ein Mündungsfeuer der deutschen Artillerie geraten und getrennt werden. Zehn Jahre vergehen und León lebt inzwischen mit seiner Frau Yvonne - in der er eher einen guten Freund als die große Liebe sieht - in Paris. Eines Tages sieht er Louise plötzlich in der Metro wieder.

Es ist eine sehr leise Geschichte, die Alex Capus hier erzählt, aber gerade deswegen berührt sie. Weil sie nicht ins Kitschige abrutscht und die Liebe, obwohl sie über einen sehr langen Zeitraum keine Erfüllung findet, dennoch amüsant und humorvoll beschrieben wird. "Léon und Louise" ist ein kluger Roman, einer der zeigt, wie das Leben verlaufen kann. So bekommen Léon und Yvonne insgesamt fünf Kinder und in all den Jahren kommt er nie auf die Idee, sich von ihr zu trennen. Louise aber bleibt sein Leben lang seine Geliebte, seine Liebe, die er nicht vergessen kann:

"Nachts vor dem Einschlafen durchlebte Léon in Gedanken immer wieder die Autofahrten mit dem Torpedo, das Beisammensein mit Louise im Relais du Midi und die letzten Studen bis zum Morgengrauen an jenem Waldrand in Sichtweite des Eiffelturms. Verwundert stellte er fest, dass seine Erinnerungen im Lauf der Wochen, Monate und Jahre nicht verblassten, sondern im Gegenteil kräftiger und lebendiger wurden. Von Jahr zu Jahr heißer fühlte er ihre Lippen an seinem Hals, und immer stärker durchfuhr ihn der Schauer beim Gedanken daran, wie sie ihm "Fass mich dan an, da" ins Ohr gewispert hatte; süßer als damals hatte er ihren Durft in der Nase, und in seinen Händen ganz gegenwärtig war die Empfindung ihres biegsamen, sehnigen, aber auch unnachgiebigen und fordernden Körpers, der so ganz anders war als die warme, weiche Nachgiebigkeit seiner Ehefrau; im Herzen bewahrte er die Empfindung, die er nur im Zusammensein mit Louise gehabt hatte - jenes Gefühl, ganz eins und im Reinen zu sein mit sich und der Welt und der Kürze der Zeit, die einem beschieden ist. (Aus: Léon und Louise: Roman (dtv Literatur))


Aufgelistet:

In der Mediathek des Bayerischen Fernsehens könnt ihr euch das Video "Ein Tag im Leben von....Alex Capus" ansehen.

Und hier liest Alex Capus selbst aus "Léon und Louise".

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