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Es werden Posts vom Mai, 2016 angezeigt.

NIE

NIE
wollte da einer
sich wegschreiben,

den Dingen den Abschied geben:
sie verdienen ihn
nicht.

Die Orte nimmt
einer doch
mit sich?

Die Kluft, die sich
auftut in
Zwischenzeiten:

ihr Urheber
möchte ich
nicht sein.

Wegatmen
will ich sie
als wäre sie Luft.

(Fabjan Hafner)

An die Mutter

Abends frag ich meine Mutter
heimlich nach dem Glockenläuten,
wie ich mir die Tage deuten
und die Nacht bereiten soll.

Tief im Grund verlang ich immer
alles restlos zu erzählen,
in Akkorden auszuwählen,
was an Klängen mich umspielt.

Leise lauschen wir zusammen:
meine Mutter träumt mich wieder,
und sie trifft, wie alte Lieder,
meines Wesens Dur und Moll.

(Ingeborg Bachmann)

Wir haben Raketen geangelt

Ich lese sehr selten Erzählungen oder Kurzgeschichten, aber von Wir haben Raketen geangelt: Erzählungen (dtv Literatur)
war ich fasziniert. Weil die Geschichten mich von Anfang an in den Bann gezogen haben, Geschichten, die von Einsamkeit, Verlassenwerden, Krankheit oder Tod erzählen. Ihre Sprache kommt dabei mit sehr wenig Pathos aus, ihre Protagonisten sind zynisch und stellen sich dem Leben, jeder auf seine ganz eigene Art und Weise.


Karen Köhler nimmmt sich in ihrem Buch Themen an, die nach wie vor tabu sind, sie schreibt über Alkoholismus, Selbstmord oder von einem Coming-Out, das in der Familie mehr oder weniger ignoriert wird. Dazwischen herrscht aber auch viel Fröhlichkeit, die Menschen versprühen trotz ihrer Schwierigkeiten Energie und Abenteuerlust. Das Buch lässt einen anders zurück, aufgewühlt auf Grund der ungeschliffenen, schönen Bilder und Momentaufnahmen, die manchmal nur kurze Postkarten sind. Und am Ende steht man ganz sprachlos da, weil die Geschichten dieser zerb…

Zum Kern vordringen

Die Größe seiner Hände. Die Schwielen daran.
Die Haut von der Schokolade löffeln.
Tee mit Zitrone.
Die schwarzen Hornbrillen, die überall im Haus herumlagen:
auf Anrichten, auf Tischen, auf dem Rand des Waschbeckens im Badezimmer - immer aufgeklappt, lagen sie dort wie merkwürdige, unbekannte Tiere.
Ihm beim Tennisspielen zusehen.
Wie seine Knie beim Gehen manchmal einknickten.
Sein Gesicht.
Seine Ähnlichkeit mit Abraham Lincoln, und wie die Leute dauernd Bemerkungen darüber machten.
Seine Furchtlosigkeit vor Hunden.
Sein Gesicht. Und noch einmal, sein Gesicht.
Tropenfische.

(Paul Auster)

Foto: Zum Kern vordringen