Wir haben Raketen geangelt





Ich lese sehr selten Erzählungen oder Kurzgeschichten, aber von Wir haben Raketen geangelt: Erzählungen (dtv Literatur)
war ich fasziniert. Weil die Geschichten mich von Anfang an in den Bann gezogen haben, Geschichten, die von Einsamkeit, Verlassenwerden, Krankheit oder Tod erzählen. Ihre Sprache kommt dabei mit sehr wenig Pathos aus, ihre Protagonisten sind zynisch und stellen sich dem Leben, jeder auf seine ganz eigene Art und Weise.


Karen Köhler nimmmt sich in ihrem Buch Themen an, die nach wie vor tabu sind, sie schreibt über Alkoholismus, Selbstmord oder von einem Coming-Out, das in der Familie mehr oder weniger ignoriert wird. Dazwischen herrscht aber auch viel Fröhlichkeit, die Menschen versprühen trotz ihrer Schwierigkeiten Energie und Abenteuerlust. Das Buch lässt einen anders zurück, aufgewühlt auf Grund der ungeschliffenen, schönen Bilder und Momentaufnahmen, die manchmal nur kurze Postkarten sind. Und am Ende steht man ganz sprachlos da, weil die Geschichten dieser zerbrochenen Seelen aufwühlen und nachdenklich stimmen.

Lieblingszitate:

"Zeit ist ein Kaugummi, aus dem der Geschmack entwichen ist."

"Dinge, die ich noch erleben wollte: den Alpenwanderweg von München nach Venedig gehen, Kinder bekommen. Einschulung meiner Kinder. Hochzeit meiner Kinder. Oma werden. Venedig, Florenz und Dubrovnik besuchen.

"Aus Miniaturhäuserschornsteinen steigt Rauch. Auf einem Campingplatz treffen sich Motorradfahrer. Ein Regenbogen spannt sich auf. Ich schlage meine Wurzeln in den Boden. Ich bin Unkraut."


Aufgelistet:

- Und dann mag ich auch dieses Video mit Karen Köhler und
- diesen Artikel aus der Zeit.

Foto: On a rainy Sunday, Lesestoff

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