Siri Hustvedt: Was ich liebte


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"Gestern fand ich Violets Briefe an Bill. Sie fielen zwischen den Seiten eines seiner Bücher heraus und flatterten zu Boden. Ich wusste seit Jahren von diesen Briefen, doch weder Bill noch Violet hatten mir je erzählt, was darin stand. Sie hatten mir nur erzählt, Bill habe, unmittelbar nachdem er den fünften und letzten gelesen hatte, sich seine Ehe mit Lucille noch einmal durch den Kopf gehen lassen, die Haustür in der Greene Street hinter sich zugeschlagen und sei schnurstracks zu Violets Wohnung im East Village gegangen. Als ich die Briefe in der Hand hielt, spürte ich das nachhaltige Gewicht jener Dinge, die verzaubert sind, weil man immer wieder Geschichten darüber gehört hat. Meine Augen sind schlecht geworden, und ich brauchte eine ganze Weile, um die Briefe zu lesen, doch es gelang mir, jedes Wort zu entziffern. Als ich sie aus der Hand legte, wusste ich, dass ich heute anfangen würde, dieses Buch zu schreiben."

So beginnt Siri Hustvedts Roman "Was ich liebte
", ein Buch, das ich mochte. Sehr sogar. Ein Buch über Verluste und was sie aus Menschen machen. Aber auch ein Buch über Freundschaft und wie wichtig sie im Leben ist.

Aus der Perspektive des jüdischen Kunsthistorikers Leo Hertzberg erzählt die Autorin einen Lebensabschnitt von etwa 30 Jahren. Leo lernt in dieser Zeit seine Frau Erika sowie den Maler Bill Wechsler und dessen Frau Lucille bzw. seine spätere Lebensgefährtin Violet kennen. Zwischen den beiden Männern entwickelt sich eine tiefe Freundschaft und die beiden Ehepaare ziehen ins gleiche Haus. In weiterer Folge berichtet Leo über ihren Alltag, die Geburt der Kinder, Arbeit oder gemeinsame Urlaube. Doch die Idylle wird zerstört, als der Sohn der Hertzbergs plötzlich stirbt. Sehr faszinierend beschreibt die Autorin dann die inneren Befindlichkeiten der Personen und ihre Unfähigkeit mit Trauer umzugehen. Einsamkeit, Verzweiflung, Lügen, Drogensucht udn Trennung sind die Folge. Bis am Ende Violet schließlich fragt: "Was war es, was ich liebte?"

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