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Posts

Es werden Posts vom November, 2016 angezeigt.

Totschlagen

Erst die Zeit
dann eine Fliege
vielleicht eine Maus
dann möglichst viele Menschen
dann wieder die Zeit

(Erich Fried)

Innerlichkeit und Stille

In einem Interview mit der Kleinen Zeitung sagt Alfred Komarek über die Stille: "Man muss die Stille annehmen können. Man muss mit der Stille in eine Dialog treten...Mit der Stille muss man umgehen können. Oft kommt dann diese Angst: Um Gottes willen, jetzt ist es so still! Dann braucht man sofort Hintergrundmusik und andere Nebengeräusche. Das ist überhaupt die schlimmste Umweltverschmutzung: immer und überall beliebige Musik zu hören....Die Stille ist unanfassbar. Sie passt in keinen Raster, es gibt keine Gebrauchsanweisung dafür. Im Grunde ist die Stille ich selbst. Man kann die Stille nicht manipulieren, durch kein Wohlfühlprogramm, durch keinen Animateur. Das ist das Erschreckende und gleichzeitig das Spannende: Wenn die Stille echt ist, dann ist sie buchstäblich atemberaubend. Reine Stille hat etwas mit Gelassenheit zu tun. Und mit der Bereitschaft, etwas auf sich zukommen zu lassen....Alles wird zum Trend. Auch die Stille. Aber dann wird es fad. Als Gegenbewegung zur unte…

Zum Glück in Paris

Mit achtzehn war ich zum ersten Mal in Paris: meine Mutter hatte mir die Reise zum Abitur geschenkt. Ich trug römische Legionärssandalen, die waren gerade in Mode, und hatte mir einen langen, schmalen Schal aus roter Seide um den Hals gebunden, dessen beide Enden im Wind flatterten und den Leuten in die Augen wehten. Ich dachte, ich sähe umwerfend aus. Umgeworfen hat es aber nur mich selbst. Gleich am ersten Tag stolperte ich auf den Treppen vor der Sacré Coeur Basilika, fiel zweiundzwanzig Stufen hinunter und schlug mir beide Knie auf. Für den Rest der Reise sah ich aus wie ein kleines Kind: verschorft und unglücklich.

Viele Jahre später erst kam ich zum zweiten Mal nach Paris. Das Ministerium, in dem ich arbeitete, hatte mich zu einer Besprechung geschickt. Am Nordbahnhof angekommen, war ich gleich in die Métro gestiegen, und als ich in der Stadtmitte wieder über Tage kam, die Straße hinunterblickte und die verschnörkelten Pariser Balkone sah, konnte ich plötzlich nicht mehr weiter…