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Innerlichkeit und Stille


In einem Interview mit der Kleinen Zeitung sagt Alfred Komarek über die Stille: "Man muss die Stille annehmen können. Man muss mit der Stille in eine Dialog treten...Mit der Stille muss man umgehen können. Oft kommt dann diese Angst: Um Gottes willen, jetzt ist es so still! Dann braucht man sofort Hintergrundmusik und andere Nebengeräusche. Das ist überhaupt die schlimmste Umweltverschmutzung: immer und überall beliebige Musik zu hören....Die Stille ist unanfassbar. Sie passt in keinen Raster, es gibt keine Gebrauchsanweisung dafür. Im Grunde ist die Stille ich selbst. Man kann die Stille nicht manipulieren, durch kein Wohlfühlprogramm, durch keinen Animateur. Das ist das Erschreckende und gleichzeitig das Spannende: Wenn die Stille echt ist, dann ist sie buchstäblich atemberaubend. Reine Stille hat etwas mit Gelassenheit zu tun. Und mit der Bereitschaft, etwas auf sich zukommen zu lassen....Alles wird zum Trend. Auch die Stille. Aber dann wird es fad. Als Gegenbewegung zur unterträglichen Beschallung könnte ja eine Sehnsucht nach Stille kommen. Aber was passiert? Die Stille wird blitzartig beworben, sie wird zur Marke, sie wird also zum Konsumartikel....Wir finden die Stille nicht, wenn wir ihr nachrennen, wenn wir die große Verinnerlichung suchen und geheimnisvoll dreinblickende Gurus. Es ist im Grunde ganz einfach: Ich nehme mir die Stille, da muss ich in keinem Lifestyle-Magazin nachschauen."

Worte, die man sich verinnerlichen sollte, gerade heute, in einer Welt, in der das Höher, Weiter, Schneller dominiert, in der wir immer unterwegs sind, stets das Gefühl haben, etwas zu verpassen. In der alle von Stille reden, aber kaum jemand in der Lage ist, sich dem Nichtstun hinzugeben oder einfach einmal zu schweigen. Doch das kann so gut tun, so so gut.

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Anweisung für Zeitungsleser

I

Prüft jedes Wort
prüft jede Zeile
vergesst niemals
man kann
mit einem Satz
auch den Gegen-Satz ausdrücken

II

Misstraut den Überschriften
den fett gedruckten
sie verbergen das Wichtigste
misstraut den Leitartikeln
den Inseraten
den Kurstabellen
den Leserbriefen
und den Interviews am Wochenende
Auch die Umfragen der Meinungsforscher
sind manipuliert
die Vermischten Nachrichten
von findigen Redakteuren erdacht
Misstraut dem Feuilleton
den Theaterkritiken Die Bücher
sind meist besser als ihre Rezensenten
lest das was sie verschwiegen haben
Misstraut auch den Dichtern
bei ihnen hört sich alles
schöner an auch zeitloser
aber es ist nicht wahrer nicht gerechter

III

Übernehmt nichts
ohne es geprüft zu haben
nicht die Wörter und nicht die Dinge
nicht die Rechnung und nicht das Fahrrad
nicht die Milch und nicht die Traube
nicht den Regen und nicht die Sätze
fasst es an schmeckt es dreht es nach allen Seiten
nehmt es wie eine Münze zwischen die Zähne
hält es stand? taugt es? seid ihr zufrieden?

IV

Ist Feuer noch Feuer und Laub noch…

Knarren eines geknickten Astes

Splittrig geknickter Ast,
Hangend schon Jahr um Jahr,
Trocken knarrt er im Wind sein Lied,
Ohne Laub, ohne Rinde,
Kahl, fahl, zu langen Lebens,
Zu langen Sterbens müd.
Hart klingt und zäh sein Gesang,
Klingt trotzig, klingt heimlich bang
Noch einen Sommer,
Noch einen Winter lang.

(Hermann Hesse)

Ikea

Hej. Da ist ja Frau Kreil. Frau Kreil ist Schwedin, keine Schwedenbombe von Inzersdorfer, aber sie hat eine schöne neue Einrichtung von Ikea, dem Möbelhaus aus Schweden. Schweden liegt in Norwegen, nein, in Leningrad. In Schweden wohnen nur Blondinen und Tischler, und dann gibt es noch die Lachsfischer und Fleischbällchendreher fürs Ikea Mittagsmenü. Doch das ist Frau Kreil egal, sie wohnt nicht in Schweden, sondern in ihrer Wohnlandschaft. Frau Kreil sitzt in ihrem Sofa Strömstad, und trinkt Schwedentropfen im Tee aus der Teetasse Flenn. Die Teetasse Flenn steht mitsamt dem Tee und den Schwedentropfen auf dem Couchtisch Glasholm. Auch der Bilderrahmen Resling und die Duftkerzen Flutschi und Hui stehen auf dem Couchtisch Glasholm. Außerdem steht dort noch die Gelse Gisela, aber die ist nicht von Ikea. Im Bilderrahmen Resling ist ein Photo von Herrn Kreil. Frau Kreil wartet, daß Herr Kreil nach Hause kommt. Die Gelse Gisela wartet auch auf Herrn Kreil, weil der das süßere Blut hat, …