Zum Glück in Paris



Mit achtzehn war ich zum ersten Mal in Paris: meine Mutter hatte mir die Reise zum Abitur geschenkt. Ich trug römische Legionärssandalen, die waren gerade in Mode, und hatte mir einen langen, schmalen Schal aus roter Seide um den Hals gebunden, dessen beide Enden im Wind flatterten und den Leuten in die Augen wehten. Ich dachte, ich sähe umwerfend aus. Umgeworfen hat es aber nur mich selbst. Gleich am ersten Tag stolperte ich auf den Treppen vor der Sacré Coeur Basilika, fiel zweiundzwanzig Stufen hinunter und schlug mir beide Knie auf. Für den Rest der Reise sah ich aus wie ein kleines Kind: verschorft und unglücklich.

Viele Jahre später erst kam ich zum zweiten Mal nach Paris. Das Ministerium, in dem ich arbeitete, hatte mich zu einer Besprechung geschickt. Am Nordbahnhof angekommen, war ich gleich in die Métro gestiegen, und als ich in der Stadtmitte wieder über Tage kam, die Straße hinunterblickte und die verschnörkelten Pariser Balkone sah, konnte ich plötzlich nicht mehr weitergehen. Ich hatte Tränen in den Augen.

(Aus: Der Himmel neben dem Louvre: Zum Glück in Paris von Julie Mebes)

Foto: www.pixabay.com/Snufkin

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