Direkt zum Hauptbereich

Zwischenlandung


Wenn es auf Weihnachten geht
Kehren die Dichter
Zu ihren tüchtigen Frauen zurück
Ach was sind sie das ganze Jahr
Über die Erde gelaufen,
Was haben sie alles gehört was
Nachgedacht, ihre Zeitung geschrieben
Durch Fabriken gestiegen, den Kartoffeln
Brachten sie menschliche Umgangsformen bei, sahn
Dem Rauch nach der kriecht und steigt
Sie haben alles geschluckt manchmal Manhattan-
Cocktails wegen des Namens, sie verschärften
Den Klassenkampf meditierten
Über das Abstrakte bei Fischen, bis eines Tags
Durch ihre dünnen Mäntel die Kälte kommt
Sehnsucht
Nach einem wirklichen Fisch in der Schüssel
Sie jäh überfällt und Erinnrung
An die Frau, die sich am Feuer gewärmt hat
Da bleibt
Der Zorn in den großen Städten zurück, sie kommen
Mit seltsamen Hüten für ihre Kinder
Spüln sogar Wäsche spielen Klavier, bis
Sie es satt haben nach Neujahr, da
Brechen sie Streit vom Zaun, gehen erleichtert
Weg in den Handschuhn von unterm Weihnachtsbaum

(Sarah Kirsch)

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Anweisung für Zeitungsleser

I

Prüft jedes Wort
prüft jede Zeile
vergesst niemals
man kann
mit einem Satz
auch den Gegen-Satz ausdrücken

II

Misstraut den Überschriften
den fett gedruckten
sie verbergen das Wichtigste
misstraut den Leitartikeln
den Inseraten
den Kurstabellen
den Leserbriefen
und den Interviews am Wochenende
Auch die Umfragen der Meinungsforscher
sind manipuliert
die Vermischten Nachrichten
von findigen Redakteuren erdacht
Misstraut dem Feuilleton
den Theaterkritiken Die Bücher
sind meist besser als ihre Rezensenten
lest das was sie verschwiegen haben
Misstraut auch den Dichtern
bei ihnen hört sich alles
schöner an auch zeitloser
aber es ist nicht wahrer nicht gerechter

III

Übernehmt nichts
ohne es geprüft zu haben
nicht die Wörter und nicht die Dinge
nicht die Rechnung und nicht das Fahrrad
nicht die Milch und nicht die Traube
nicht den Regen und nicht die Sätze
fasst es an schmeckt es dreht es nach allen Seiten
nehmt es wie eine Münze zwischen die Zähne
hält es stand? taugt es? seid ihr zufrieden?

IV

Ist Feuer noch Feuer und Laub noch…

Knarren eines geknickten Astes

Splittrig geknickter Ast,
Hangend schon Jahr um Jahr,
Trocken knarrt er im Wind sein Lied,
Ohne Laub, ohne Rinde,
Kahl, fahl, zu langen Lebens,
Zu langen Sterbens müd.
Hart klingt und zäh sein Gesang,
Klingt trotzig, klingt heimlich bang
Noch einen Sommer,
Noch einen Winter lang.

(Hermann Hesse)

Ikea

Hej. Da ist ja Frau Kreil. Frau Kreil ist Schwedin, keine Schwedenbombe von Inzersdorfer, aber sie hat eine schöne neue Einrichtung von Ikea, dem Möbelhaus aus Schweden. Schweden liegt in Norwegen, nein, in Leningrad. In Schweden wohnen nur Blondinen und Tischler, und dann gibt es noch die Lachsfischer und Fleischbällchendreher fürs Ikea Mittagsmenü. Doch das ist Frau Kreil egal, sie wohnt nicht in Schweden, sondern in ihrer Wohnlandschaft. Frau Kreil sitzt in ihrem Sofa Strömstad, und trinkt Schwedentropfen im Tee aus der Teetasse Flenn. Die Teetasse Flenn steht mitsamt dem Tee und den Schwedentropfen auf dem Couchtisch Glasholm. Auch der Bilderrahmen Resling und die Duftkerzen Flutschi und Hui stehen auf dem Couchtisch Glasholm. Außerdem steht dort noch die Gelse Gisela, aber die ist nicht von Ikea. Im Bilderrahmen Resling ist ein Photo von Herrn Kreil. Frau Kreil wartet, daß Herr Kreil nach Hause kommt. Die Gelse Gisela wartet auch auf Herrn Kreil, weil der das süßere Blut hat, …