Just Kids


Ich mag Menschen, die ein Ziel mit Disziplin verfolgen. Sich nicht abbringen lassen von Rückschlägen und immer wieder Möglichkeiten finden, um einen Schritt weiter zu kommen. Zu diesen Menschen gehören auch Patti Smith und Robert Mapplethorpe, die sich im Sommer 1967 in New York begegnen. Beiden haben den gleichen Wunsch: Sie möchten eine künstlerische Laufbahn einschlagen. Ihre Leidenschaft zur Kunst hält sie zusammen, obwohl sie manchmal kaum Geld haben, um sich eine warme Mahlzeit zu leisten:

"Unser erster gemeinsamer Winter war hart. Trotz meines besseren Gehalts von Scribner hatten wir sehr wenig Geld. Oft standen wir in der Kälte an der Ecke des St. James Place, von wo aus man sowohl den griechischen Imbiss wie Jake´s Malerbedarf sehen konnte, und wägten ab, wofür wir unsere sportlichen Dollars ausgeben wollten - schließlich warfen wir eine Münze, ob es gegrillte Käse-Sandwiches oder Künstlerbedarf geben würde."

Just Kids: Die Geschichte einer Freundschaft ist aber vor allem auch ein Buch über eine Freundschaft, die ein Leben lang hält. Zwischen Patti und Robert - zuerst ihre Jugendliebe, dann ihr treuer Wegbegleiter - scheint ein starkes, unsichtbares Band zu bestehen, bis der berühmte Fotograf schließlich im Jahr 1988 verstirbt. In tiefer Verbundenheit und Dankbarkeit verfasst Patti Smith am Ende einen Brief an ihren Seelenverwandten:

"Lieber Robert,

Wenn ich wach liege, frage ich mich oft, ob du auch gerade wach liegst. Hast du Schmerzen oder bist du einsam? Du hast mich aus der dunkelsten Zeit meines jungen Lebens gerettet, als du mich in das heilige Mysterium des Künstlerseins eingeweiht hast. Durch dich habe ich sehen gelernt, und keine Zeile, die ich schreibe, und keine Linie, die ich zeichne, ist ohne das Wissen denkbar, das ich während unserer kostbaren gemeinsamen Zeit erworben habe. Dein Werk, das einer sprudelnden Quelle zu entspringen scheint, führt zurück bis zum nackten Lied deiner Jugend. Du hast damals davon gesprochen, Gott hielte deine Hand. Vergiss nie, Robert, egal, was geschieht, du hast diese Hand immer in deiner gehalten, halte sie fest und lass sie niemals los.
Als du an dem Nachmittag neulich an meiner Schulter eingeschlafen bist, bin ich auch eingenickt. Doch als ich all deine Arbeiten und Sammelstücke betrachtete und mir im Geist dein gesamtes künstlerisches Schaffen über all die Jahre hinweg vor Augen führte, kam mir der Gedanke, dass von all deinen Werken du selbst immer noch das schönste bist. Das allerschönste von allen.

Patti"




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